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Chronik


"In Westerrönfeld, Kattbek und Schülp,
dor nehmt se den Sand to Hülp.
Ward de Grütt nich dick in den Grapen,
makt se dat Kökenfinster apen!"


Dieser über Generationen überlieferte Vers deutet an, daß das ursprüngliche Eiderdorf Westerrönfeld von einem ausgedehnten mit Binnendünen durchsetzten Heidegebiet umgeben war. Noch bis vor wenigen Jahrzehnten verknüpfte man deshalb den Namen Westerrönfeld auch mit den umliegenden Heideflächen, von denen heute noch ein Rest von ca. 7.000 m² glücklicherweise erhalten ist.

Am Schnittpunkt wichtiger Verkehrsverbindungen gelegen ist aus dem einstigen Fischer- und Bauerndorf eine moderne Gemeinde in landschaftlich schöner Umgebung geworden.

Das Wappen Westerrönfelds nimmt Bezug auf die örtlichen Gegebenheiten und spiegelt einen Teil der Ortsgeschichte wieder:

Der goldene Pfahl, gekreuzt von einem silbernen Wellenbalken, auf blauem Grund und einem silbernen Wagenrad mit einem gestürzten Anker symbolisieren die besondere Lage Westerrönfelds am Schnittpunkt von B77 und Nord-Ostsee-Kanal und weisen auf die ehemals typischen Erwerbszweige hin, wie Landwirtschaft mit regem Pendelverkehr zur nahen Stadt sowie Fischerei, Seefahrt und Schiffbau.

Westerrönfelds Ursprung dürfte auf dem heutigen Hog'n Dor zu suchen sein. Diese, am Südufer der Eider gelegene Anhöhe, bot nicht nur Schutz vor Hochwasser, sie lag auch in der Nähe einer Eiderfurt. Fischer und Bauern werden es gewesen sein, die dort erste Siedlungen errichteten, bevor sich Westerrönfeld zu einem geschlossenen Bauerndorf erweiterte und erste Gewerbebetriebe sich ansiedelten.

In der Schlacht bei Scullebi im Jahre 1145, zwischen den "Holsten" unter Graf Adolf II und dem Dänenheer unter Svend Grathe, dürfte es Westerrönfeld als Ortschaft allerdings noch nicht gegeben haben, sonst hätte das entferntere Scullebi (Schülp) der Schlacht kaum den Namen gegeben.

Die erste urkundliche Nennung Westerrönfelds erfolgte im Jahre 1437 mit einer Eintragung in das von 1411 bis 1604 geführte "Kieler Erbebuch2.

Im Jahre 1450 wird Westerrönfeld im Zuge von Grenzsteinsetzungen im Wilden Moor genannt. In einem später verfaßten "FACTUM" über Grenzstreitigkeiten mit der Stadt Rendsburg heißt es:

".....sind 1450 abseiten der Stadt drey Grenzsteine, worinn die Jahrzahl gehauen, zwischen Oster- und Westerrönfeld gesetzet, ....."

Der Name Westerrönfeld dürfte auf eine frühere Flurbezeichnung zurückzuführen sein, wobei der Ausdruck "Rönn" sich auf ein Fließgewässer bezogen hat. Man darf annehmen, daß damit die ursprünglich in die Eider fließende Wehrau gemeint war. Das Gelände westlich der "Rönn" erhielt daher (im Unterschied zum benachbarten Osterrönfeld) den Namen Westerrönfeld.

Um Westerrönfelds weitere Entwicklung zu verfolgen, muß auf einen uralten Handelsweg hingewiesen werden, der vom nördlichen Jütland über den Geestrücken durch die Westerrönfelder Heide nach Süden zur Elbe führte. Zunächst als Heerstraße, später als Ochsenweg bezeichnet, wußten im Laufe der Jahrhunderte durchziehende Kriegsheere diese Wegstrecke zu nutzen. Die am Wege liegenden Ortschaften hatten dabei häufig Einquartierungen und Abgaben zu leisten und nicht selten auch Plünderungen zu erdulden.

Während des 30jährigen Krieges im Jahre 1645 errichtete der Obrist Helm Wrangel sogar sein Hauptquartier in Westerrönfeld, um mit einem schwedischen Regiment über nahezu 6 Monate die Festung Rendsburg zu belagern. Dabei wurden Teile der Ortschaft Westerrönfeld geplündert und mehrere Häuser niedergebrannt.

Nicht ganz so schlimm erging es den Westerrönfeldern in dem schwedischen Kriege (Polacken-Krieg) von 1658 - 1659. Eine 1660 verfaßte Schadenaufstellung vermerkt:

"Westerrönfelde, ist noch ziemlich, wiewohl ihnen die Schweden all ihr Vieh uf einmahl weggenommen. Kommen aber hernegst, weilen sie ihre Wintersaat in die Erde, voll wieder zurecht."

Aus dieser Zeit ist ein Ereignis überliefert, dessen Bedeutung für die Festung Rendsburg aber auch für einen Westerrönfelder Bauern erheblich gewesen sein muß.

Am 10. August 1658 hatte der Westerrönfelder Bauer Jacob Rohwer seine Pferde auf die Weide "Maesdiek" gebracht, die zwischen dem heutigen Westerrönfelder Freibad und dem Hotel Schützenheim gelegen haben dürfte. Dabei bemerkte Jacob Rohwer zahlreiche schwedische Reiter, die sich von Süden her durch die Westerrönfelder Heide der Festung Rendsburg näherten. Rohwer, der feindliche Absichten vermutete, erreichte vor den Reitern die Stadt und konnte die offenbar ahnungslosen Torwachen warnen. Erst im Schutze der Dunkelheit, den Schweden nur knapp entkommen, soll es Jacob Rohwer gelungen sein, seinen auf dem Hog'n Dor gelegenen Hof wieder zu erreichen.

Heute erinnert an Jacob Rohwer noch die nach ihm benannte Straße und der Straßenname Meesdiek.

Die alte Heerstraße hat auch in friedlichen Zeiten für die anliegenden Ortschaften eine besondere Bedeutung gehabt. Wirtshäuser und Herbergen entstanden am Wegesrand und auch in Westerrönfeld wird man die günstige Lage an der Eiderfurt genutzt haben. Reisende und durchziehende Händler nahmen hier Quartier, Handwerker, wie Schuster und Stellmacher ließen sich in Westerrönfeld nieder. Noch bis in 19. Jahrhundert wurden über diesen alten Heerweg jährlich bis zu 30.000 Mastochsen von Jütland nach Süden getrieben.

Ein alter am Ortsrand von Westerrönfeld gelegener Gasthof, der "Aukrug" führte seine Entstehung auf den vorbeiführenden sogenannten Ochsenweg zurück. Diese Herberge mußte Ende des vorigen Jahrhunderts dem Bau des Nord-Ostsee-Kanals weichen. Die Gebäude standen westlich des heutigen Fußgängertunnels. Der dort noch vorhandene alte Baumbestand gehörte zum Garten des Aukrugs.

Die heute durch Westerrönfeld führende B77 folgt im wesentlichen dem Verlauf der alten Heerstraße.

Als Anfang des 18. Jahrhunderts die Pest unter der Bevölkerung wütete, blieb auch Westerrönfeld nicht verschont. Nach alten Aufzeichnungen erlagen allein in Westerrönfeld "24 Männer, 23 Frauen, 16 Knechte und Mägde und 41 Kinder" der ansteckenden Krankheit. Das war wahrscheinlich mehr als die Hälfte der damaligen Einwohner.

Wie groß die Verzweiflung unter den Überlebenden gewesen sein muß, zeigt die 1712 für die Pesttoten angelegte Begräbnisstätte "am grauen Berge außerhalb des Dorfes an dem Wege nach Jevenstedt."

Erst 1831 entstand aus dem ehemaligen Pestfriedhof und dem späteren "Armenfriedhof" der heutige mehrfach erweiterte Gemeindefriedhof.

    Westerrönfeld, das noch bis 1924 zum Kirchspiel Jevenstedt gehörte, hatte seine ursprüngliche Begräbnisstätte auf dem Jevenstedter Friedhof.

Losgelöst vom Rendsburger Neuwerk wurde Westerrönfeld 1968 zur eigenen Kirchengemeinde. 1957 waren bereits ein Kirchsaal (heutige Lutherkirche) und 1963 der Glockenturm fertiggestellt worden.

Eine Besonderheit in Westerrönfeld stellt der am 21. September 1695 angelegte Judenfriedhof dar. Jüdische Siedler hatten sich Ende des 17. Jahrhunderts im Stadtteil Neuwerk niedergelassen und über den Rendsburger Festungskommandanten Andreas Fuchs erreicht, daß man ihnen "außerhalb des neuen Holsteinischen Tores an der rechten Hand nach WESTER-RENFELDT in einer Sand-Dühne" eine Heidefläche zur Bestattung der Toten überließ.

Noch heute führt eine alte Lindenallee von der Itzehoer Chaussee zum jetzt zwischen Häusern versteckt liegenden Jüdischen Friedhof, auf dem 1939 die letzte Bestattung erfolgte.

In der Mitte des vorigen Jahrhunderts versuchte man sich in Westerrönfeld auch mit dem Schiffbau, der damals im Nachbarort Schülp, vor allem aber in Nübbel mit Erfolg betrieben wurde. Die Lage an der Eider und die Verbindung mit dem von 1784 - 1885 betriebenen zur Ostsee führenden Eiderkanal hatte diesem Erwerbszweig in Westerrönfeld jedoch nur vorübergehend Auftrieb gegeben. Der Bau des Nord-Ostsee-Kanals (1887 - 1895) und die damit erfolgte Abtrennung des Ortskerns von der Eider brachte einen tiefen Einschnitt in das Dorfgeschehen.

Der Grundwasserspiegel sank beträchtlich, sämtliche Brunnen in der Ortschaft mußten vertieft werden. Die ohnehin knappen zur Eider hin liegenden Wiesen gingen den Westerrönfelder Bauern verloren.

Hinzu kam, daß die enge Verbindung mit dem durch den Kanal abgetrennten nördlichen Ortsteil allmählich verloren ging. Im Jahre 1928 mußten die Ländereien Hohe Luft, die westlich vom heutigen Conventgarten und der früheren Schweizer Halle liegenden Grundstücke sowie die zwischen Eider und Kanal befindliche Ablagerungsfläche (heutiger Gerhardshain) an Rendsburg abgetreten werden.

Heute sind die durch den Kanalbau entstandenen Nachteile nahezu vergessen. Die Westerrönfelder wissen um die Attraktion dieser Wasserstraße, die von 1908 - 1915 und seit 1963 erneut eine Verbreiterung erfahren hat.

Eine weitere Teilung des Dorfes drohte durch den Bau des Straßentunnels 1957 - 1961 und der damit verbundenen neuen Trassenführung der B77 durch die Westerrönfelder Heide. Hatte schon in früheren Zeiten der östliche an der Itzehoer Chaussee gelegene Ortsteil sich überwiegend nach Rendsburg orientiert, so war nun die völlige Abtrennung vom Ortskern zu befürchten.

Im Laufe der folgenden Jahre hat sich jedoch gezeigt, daß die insgesamt 5 Übergänge über die 4spurig ausgebaute B77 und die weitere Bebauung der Westerrönfelder Heide ein harmonisches Zusammenrücken der beiden Ortsteile bewirkt haben. Eine über der Tunnelröhre entstandene Teichfläche ist nicht nur für Angelfreunde interessant, sie bietet auch Platz für ein großzügig angelegtes Freibadgelände.

    Nach Fertigstellung des Fußgängertunnels (1961) sind die Verbindungen zur Stadt wesentlich verbessert worden. Die Wartezeiten an der 1964 abgetragenen Drehbrücke sind fast in Vergessenheit geraten.

Das Elektrozeitalter begann für Westerrönfeld in den 20iger Jahren. Im einer vom Gemeindevorsteher Thomas Storm im Oktober 1921 unterzeichneten "Installationsvorschrift über die Abgabe elektrischer Energie aus dem Verteilungsnetz der Gemeinde Westerrönfeld" wird deutlich, daß nunmehr auch die Westerrönfelder Haushalte an das Stromnetz angeschlossen werden konnten.

Mit der Inbetriebnahme der Rendsburger Kreisbahn im Jahre 1901 erhielt Westerrönfeld nicht nur eine Anbindung an das südliche Kreisgebiet, sondern auch eine zusätzliche für Schulkinder und Berufstätige wichtige Verkehrsverbindung nach Rendsburg.

Als der Bahnbetrieb eingestellt wurde und die "Rosa" am 16.05.1957 unter den Klängen der Feuerwehrkapelle den Westerrönfelder Bahnhof das letzte mal verließ, mischte sich unter den zahlreich erschienenen Einwohnern ein bißchen Wehmut.

Die Weltkriege und ihre Folgen gingen auch an Westerrönfeld nicht spurlos vorüber.

Allein im Ersten Weltkrieg waren in der Gemeinde Westerrönfeld 42 Gefallene zu beklagen.

Der Zweite Weltkrieg forderte weitaus mehr Opfer.

Am 03.04.1945 fielen 2 Fliegerbomben auf Westerrönfeld. Die eine verwüstete den Garten von Detlev Rohwer, Dorfstraße/Ecke Lerchenstraße und forderte ein Todesopfer. Die andere Bombe fiel auf die Hauskoppel des Bauern Jürgen Schülldorf, ohne größeren Schaden anzurichten.

Pläne, Rendsburg gegen Kriegsende vor den heranrückenden britischen Truppen zu verteidigen, wurden glücklicherweise aufgegeben, so daß Westerrönfeld und umliegende Ortschaften zerstörerischen Kampfhandlungen entgingen. Vom sogenannten Volkssturm bereits quer zur Dorfstraße errichtete Feldstein-Panzersperren mußten daher ihre "Wirksamkeit" nicht mehr unter Beweis stellen. Überreste dieser Sperranlagen finden sich noch heute in einigen Gärten unserer Gemeinde.

Am 10. Mai 1945 erfolgte die friedliche Besetzung Westerrönfelds durch die Engländer. Die unmittelbare Gefahr für Leib und Leben war damit zwar beendet, es mußten jedoch wieder einmal Quartiere für eine Besatzungsmacht gestellt werden. 15 Häuser wurden beschlagnahmt, den Bewohnern blieben nur wenige Stunden, um mit dem Nötigsten die Häuser zu verlassen.

Bedingt durch den großen Zustrom von Flüchtlingen und Evakuierten war die Bevölkerung Westerrönfelds in wenigen Monaten auf nahezu das Doppelte angewachsen. So mußten nicht selten Stallgebäude und sogar Erdbunker als Notunterkünfte herhalten. Da auch öffentliche Gebäude, wie Schulen für Notquartiere Verwendung gefunden hatten, fiel der Schulunterricht bis zum Ende des Jahres 1945 aus.

In dem 1954 angelegten Ehrenhain befindet sich die Gedenkstätte für die in den Kriegen gefallenen Westerrönfelder Bürger.

Das heutige am Sportplatz gelegene Schulgebäude ist bereits das vierte.

Schon im Jahre 1757 errichtete man in Westerrönfeld eine einklassige Schule. Das Gebäude steht noch heute in der Schmiedestraße.

    
Die zweite 1810 erbaute Schule war mit zwei Klassenzimmern schon wesentlich geräumiger. Sie stand in der Jevenstedter Straße/Ecke Dorfstraße, nahe der heutigen Schlachterei Schaffer & Peters. Im Jahre 1901 ging das reetgedeckte Gebäude in Flammen auf.

Erst 1903 war ein neues 4klassiges Schulgebäude fertiggestellt, das seit 1963 Sitz der Gemeindeverwaltung, bzw. seit dem Beitritt der Gemeinde Westerrönfeld zum 01.01.2001 in das Amt Jevenstedt Sitz der Verwaltungsstelle Westerrönfeld, ist.


Die 1959 erbaute Anlage der heutigen Westerrönfelder Grund- und Hauptschule ist in den vergangenen Jahren mehrfach erweitert worden. Moderne Sportanlagen, darunter die 1983 fertiggestellte Sporthalle, sind dem Schulkomplex angegliedert. Die ursprüngliche Schulturnhalle wurde 1987 zur Mehrzweckhalle (Tingleffhalle) umgebaut. Sie steht den Einwohnern, sowie den örtlichen Vereinen als Versammlungs- und Festraum zur Verfügung.

Um der Landesschulplanung Rechnung zu tragen kam es 1995 zur Gründung eines Schulverbandes Osterrönfeld-Westerrönfeld.

Der zahlenmäßige Rückgang der landwirtschaftlichen Betriebe in den letzten Jahrzehnten ist auch in Westerrönfeld zu beobachten. In dem einstigen Fischer- und Bauerndorf waren 1965 immerhin noch 21 Höfe oder landwirtschaftliche Nebenerwerbsstellen vorhanden. Heute zählt Westerrönfeld noch 5 ausgesiedelte Hofstellen, die die Anpassung an die veränderten Gegebenheiten vollzogen haben.

Mit der Entwicklung der Ortschaft Westerrönfeld ging auch ein stetiges Anwachsen der Einwohnerzahl einher. Mögen es Anfang des 18. Jahrhunderts kaum mehr als 100 Einwohner gewesen sein, so ist aus dem Jahre 1841 eine Einwohnerzahl von 303 Personen überliefert.

Um die Jahrhundertwende wird die Zahl von 1.000 noch nicht ganz erreicht worden sein, 1943 waren jedoch ca. 1.700 Personen in Westerrönfeld gemeldet.

Im Jahre 1945, bedingt durch den Zustrom von Flüchtlingen und Evakuierten, war die Einwohnerzahl sprunghaft auf über 3.000 angewachsen.

Partnerschaften unterhält die Gemeinde Westerrönfeld seit Jahrzehnten nach Tingleff in Nord-Schleswig und nach der wiedergewonnenen Deutschen Einheit auch nach Züssow in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Nähe zur Kreisstadt Rendsburg, die günstigen Verkehrsanbindungen nach Kiel und zur A7 machen Westerrönfeld für Gewerbeansiedlungen interessant. Die Umwandlung zu einer modernen Gemeinde mit einem ausgedehnten Gewerbegebiet ging Hand in Hand mit einem weiträumigen Ausbau der dörflichen Wohngebiete und einer infrastrukturellen Verbesserung des Ortes.

Die Westerrönfelder betrachten daher ihre Ortschaft nicht nur als Wohnbasis, sondern auch als eine am Nord-Ostsee-Kanal gelegene Heimatgemeinde, in der es sich leben läßt.

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